Castle Crashers
Ausgestorbenes Genre ?!
Das Brawler-Genre hat seine glorreichen Zeiten hinter sich. Den Höhepunkt erreichte es in den 8- und 16-Bit-Zeiten mit Serien wie Golden Axe, Streets of Rage, Double Dragon und Final Fight. Auch in Spielhallen sorgte das spaßige Prügeln gegen zahllose Feinde für jede Menge Spaß und leere Geldbeutel. Mit dem Schritt ins 3D-Zeitalter, der virtuellen Welten, verschwand das Genre mehr oder weniger in der Versenkung. Das lag vielleicht daran, dass das Genre einfach zu ausgenutzt war, zum anderen aber auch an der sinkenden Qualität der Spiele. Dennoch: Auch heutzutage gibt es noch gelungene Vertreter des Genres wie vor kurzem das komplett in 2D gehaltene CastleCrashers eindrucksvoll bewies.
Diesen Missstand will Entwickler The Behemont – bekannt durch das Shoot’em Up Alien Hominid – nun allerdings mit CastleCrashers wieder beleben. Das Motto lautet klar “Back to the Roots” und so präsentiert sich der Xbox Live Arcade Titel nach über einem Jahr Verschiebung, als cooler 2D-Brawler. Zusammen mit bis zu drei Freunden zieht man lokal an einer Konsole oder per Xbox Live (wahlweise auch lokal/online gemischt) in den Kampf und prügelt sich als tapferer Ritter mit allerlei fiesen Monstern rum, um vier entführte Prinzessinnen aus den Klauen eines finsteren Magiers zu befreien.
Klassische Brawler-Kost
Der Spielablauf könnte klassischer kaum sein. In rund 20 seitlich scrollenden Levels, Marktplätzen
und ähnlichen Umgebungen, bewegt man seinen Charakter sowohl in der Vertikalen wie auch der Horizontalen. Zwei Buttons dienen zum Ausführen diverser Nahkampfangriffe und Combos, ein weiterer zum Blocken, einer zum Springen und einer zum Einsetzen von Spezial-Equimpent wie einem Bogen oder Heiltränken. Mittels rechtem Trigger ist darüber hinaus in den Magie-Modus wechselbar, aus dem heraus diverse Zaubersprüche auf Feinde losgelassen werden können. Welche Zauber dabei zum Einsatz kommen hängt vom gewählten Charakter ab. Die Auswahl zieht sich von Feuer über Wasser, Eis und ähnlichen Zauberarten bis hin zu Wirbelstürmen und andere Kuriositäten… Je stärker ihr eure Magie auflevelt, desto stärker werden die Zauber und desto cooler sehen sie auch aus. Zunächst stehen im Spiel 4 Charaktere zur Auswahl. Im Spielverlauf können allerdings sehr viele weitere Freigeschaltet werden.
Das Metzeln der zahlreichen Monster sowie zahlreichen gelungenen Bossgegnern bringt einen nicht nur im Level voran, sondern belohnt den Spieler zudem mit Gold und Erfahrungspunkte. Ersteres kann in Shops gegen bessere Waffen und Spezialitems wie Bomben und Heiltränke
eingetauscht werden, während Erfahrungspunkte zu Level-Up’s und damit verbundenen Attributspunkten führen. Spielt ihr das ganze im Coop-Modus mit Freunden, so kommt es nach 5 Minuten schon mal vor, dass ihr euch gegenseitig die Köpfe um das Gold einschlagt ;-) Die Attributspunkte wiederum lassen sich auf die vier Attribute – Angriff, Magie, Verteidigung und Geschwindigkeit – verteilen, was wiederum die entsprechenden Fertigkeiten der Spielfigur verbessert. Negativ fällt hierbei auf: Wenn ihr euch zum Anfang des Spieles nicht für die richtigen Attribute zum aufleveln entscheidet, kann das den Schwierigkeitsgrad enorm steigern!!
Knallbuntes Fantasy-Gemetzel mit Witz
Technisch zieht CastleCrashers alle Arcade-Register und wartet mit einer wunderschönen, an aufwändige Flash-Spiele erinnernden, Grafik auf. Das knallbunte Design überzeugt nicht nur durch schräge Charaktermodelle und liebevolle Animationen sondern auch durch pralle Effekte. Die Musikuntermalung wechselt ständig von fröhlich-chillig über treibend-aggressiv bis hin zu episch-pompös. Die Steuerung geht stets gut von der Hand. Lediglich die Übersicht leidet hin und wieder, wenn viel los ist. Zudem kommt es bei massiver Action zu gelegentlichen Slow-Downs. Abseits des tollen Gameplay und der gelungenen technischen sowie grafischen Aufmachung, ist auch der Umfang und Schwierigkeitsgrad unglaublich gelungen.
Was CastleCrashers einzigartig macht ist die Tatsache, dass das Spiel über sich und die gesamte
Story Witze macht. Wo sonst findet man ein paar Waldtiere, die so viel Angst vor einem Monster haben, dass durch ihrem Durchfall gegen eine Steinwand geklatscht werden und sterben?! Im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern des Genres setzt CastleCrashers auch nicht auf beinharte, fast unfaire Herausforderung mit begrenzten Continue-Möglichkeiten. Stattdessen stellt der Titel selbst nicht so geübte Spieler vor keine unschaffbaren Hürden und gibt einem dazu noch genügend zahlreichen Checkpoints. Sollte man dennoch nicht weiterkommen, kann man jederzeit bereits abgeschlossene Levels erneut besuchen, um seinen Charakter aufzupowern – auch „Farmen“ genannt. Darüber hinaus darf jederzeit gespeichert werden. 3-5 Stunden Umfang für einen Durchgang sind für Genre-Verhältnisse ebenfalls ordentlich (Man bedenke dass es ein XboxLive Titel ist!). Für Wiederspielwert sorgen zahlreiche freispielbare Charaktere, Waffen und andere Boni sowie das Aufpowern der Charaktere, mit denen man dann im OnlineModus protzen kann.
Fazit
CastleCrashers bietet dem geneigten Brawler-Fan eigentlich alles, was er sich nur wünschen kann: Koop-Modus mit bis zu 4 Spieler, auflevelbare Charaktere, zahlreiche Bossgegner und Standard-Gegnertypen, einsammelbare Waffen, ein abgedrehtes Design sowie einen ordentlichen Umfang inklusive Wiederspielwert. Hinzu gesellen sich noch ein super OnlineModus und ein sehr schwarzer aber lustiger Humor. Wer hier als Fan von „unkomplizierter Actionspiele“ noch zögert, sollte sich unbedingt einmal die Demo anschauen und selbst ein Bild von der hohen Qualität des Titels machen. Spätestens dann weiß er nämlich, dass die 1200 Microsoft-Punkte mehr als gut investiert sind.
Ein Teil für das PlaystationNetwork ist bereits angekündigt und in der mache. Sogar mit mehr Content als in der Xbox Live –Version… Bleibt abzuwarten ob es genau so ein Erfolg wird, wie auf der Xbox360. Denn gerade das Brawler-Genre eignet sich doch geradezu perfekt für Downloadplattformen wie Xbox Live Arcade, WiiWare und das PSN.




