DJ Hero
31. März 2011 Autor: Dennis Schuppler (ds)

Musikspiele gibt es wie Sand am Meer. Stapeln sich bei euch auch schon Mikrofone, Gitarren, Schlagzeuge und ähnliche Plastik-Krachmacher? Mit DJ Hero buhlt nun ein weiteres Spiel mit Zusatz-Hardware um einen Platz in eurem Wohnzimmer. Solltet ihr dem Newcomer eine Chance geben? Ja! DJ Hero ist eins der besten Musikspiele überhaupt. Es besinnt sich auf die Anfänge des Genres, bevor es um Welt-Tourneen und Fans ging. Bei DJ Hero müsst ihr die Plattenteller drehen, und wenn ihr das gut macht, schaltet ihr weitere Songs, Charaktere und Kostüme frei. Ende.

Anders als in Activisions bisherigen Hero-Spielen geht es hier nicht um Gitarren- oder sonstige Band-Helden, sondern um DJs, die in angesagten Clubs für Stimmung sorgen. Das notwendige Handwerkszeug bringt DJ Hero in Form eines Turntable-Controllers mit, der aus zwei Komponenten besteht: Turntable mit drei Buttons auf der einen, Crossfader, Effektregler und Euphorie-Knopf (dazu später mehr) auf der anderen Seite. Die beiden Hälften lassen sich trennen und für Linkshänder andersherum zusammenstecken.
Der Controller ist kein Stück Klapperplastik, sondern fühlt sich stabil und hochwertig an. Wenn ihr vorher noch nie Turntable und Mixer in beziehungsweise unter den Finger hattet, greift euch das Game mit einem guten Tutorial unter die Arme. Zudem sind die niedrigen Schwierigkeitsgrade tatsächlich sehr leicht. Ganz gleich, welchen Schwierigkeitsgrad ihr wählt: Ihr werdet niemals aus einem Song fliegen. Wenn eure Performance nicht so prall war, bekommt ihr als einzige Bestrafung weniger Sterne in der Bewertung. Allerdings gibt es keinen Übungsmodus, der euch wie bei Guitar Hero erlauben würde, einzelne Passagen langsamer abzuspielen und so zu trainieren.

Im Spiel fliegen wie bei Guitar Hero farbige Symbole auf euch zu. Die müsst ihr durch gut getimtes Drücken der entsprechenden Tasten des Turntables treffen. Beim Scratchen haltet ihr den entsprechenden Button gedrückt und bewegt den Turntable vor und zurück. Auf niedrigeren Schwierigkeitsgraden ist es egal, wie ihr es bewegt, später folgt ihr mit euren Bewegungen Pfeilen, welche die Drehrichtung vorgeben. Dann gibt es noch den Crossfader, den ihr nach links und rechts schiebet, um entweder einen der beiden Tracks oder beide in einem Mix wiederzugeben.
Es gibt auch eine abgewandelte Variante der bekannten Star-Power: An bestimmten Stellen in einem Song kommen leuchtende Passagen, die euch so genannte Euphorie einbringen. Diese könnt ihr auslösen, um für eine begrenzte Zeit einen doppelt so hohen Punktemultiplikator zu erhalten und den Crossfader auf Autopilot zu schalten. Um noch mehr Punkte einzufahren, verändert ihr den Sound an bestimmten Stellen mit Effekten. Das gibt dem Ganzen die eine oder andere persönliche Note.

Was nicht so recht gefällt, sind die Freestyle-Parts, in denen Samples nach eigenem Gutdanken abgespielt werden können. Bevor ihr mit einem Song loslegt, sucht ihr euch ein Sample-Set mit klassischen Hip-Hop-Sounds aus. Die könnt ihr dann in speziellen Passagen des Songs abfeuern. Allerdings gibt es dafür keine Punkte, so dass das Ganze eher ein Gimmick ist. Außerdem fehlt euch für das etwas unpraktische Wechseln der Samples oft die Zeit – dieses Feature könnt ihr also fast ignorieren.
Ihr könnt euch natürlich auch einen eigenen Charakter erstellen, aber das Spiel bringt auch schon einige Turntable-Rocker mit, unter ihnen Berühmtheiten wie Daft Punk oder Z-Trip. Sehr gut gelungen sind die dynamischen Kameraeinstellungen, die richtiges Club-Feeling aufkommen lassen und euren DJ-Helden in Action zeigen. Allerdings bewegen sich die DJs nicht wirklich synchron zur Musik; so kommt es vor, dass ihr wie wild auf dem Plattenteller scratcht, euer Avatar aber gerade beide Hände in die Luft streckt. Naja…

Das Spiel bietet euch eine der besten und abwechslungsreichsten Songlisten. Wenn ihr nicht gerade ausschließlich auf Volksmusik steht, findet ihr hier ganz sicher Tracks, die euch gefallen. Die mehr als 100 lizenzierten Songs wurden zu teilweise richtig genialen Mixes zusammengemischt: 50 Cent trifft auf David Bowie, die Beastie Boys bändeln mit Blondie an und Vanilla Ice geben sich ein Battle mit MC Hammer. Viele der Mixes wurden von namhaften Plattendrehern wie Grandmaster Flash, DJ Shadow oder Paul van Dyk erstellt. Aktiviert ihr die Party Play-Option könnt ihr den tollen Soundtrack übrigens auch einfach laufen lassen, wenn ihr die Musik mal ohne Mitspielen genießen wollt.
Wie alle Musikspiele macht DJ Hero mit Freunden noch viel mehr Spaß. Hier habt ihr die Möglichkeit, entweder mit zwei Turntables loszulegen oder eine Turnbable-Gitarren-Combo zu gründen – Letzteres klappt aber nur bei ein paar Songs. Schade, dass bei Turntable-Battles beide Spieler identische Parts eines Songs spielen müssen. Von Guitar Hero sind wir gewöhnt, dass wir mit Gitarre oder Bass unseren eigenen Teil zu einem Song beitragen – das würde auch mit zwei Turntables gehen. Vielleicht klappt es ja in Teil zwei.
Fazit:DJ Hero hat sich aus dem Stand einen Platz im Olymp der Musikspiele erkämpft. Die extra für dieses Game geschaffenen Song-Mixes sind klasse und das Scratchen auf dem Turntable macht einen Riesenspaß. Die Feature-Fülle ist vielleicht nicht so üppig wie bei Rock Band 2 oder Guitar Hero 5, aber der simplere Ansatz stört hier nicht. Optimierungsbedarf gibt es aber noch, vor allem in den Mehrspieler-Modi. Warten wir mal ab, was sich bei der Fortsetzung, die im zweiten Halbjahr 2010 erscheint, daran ändert.


