ilomilo

Personen, die Apfeltee trinken und Kekse mit Ahornblattgeschmack essen, sollte man normalerweise meiden genauso wie der Vegetarier das Wurstwasser. Doch bei ilo und milo machen wir eine Ausnahme, denn diese beiden putzigen Patchwork-Protagonisten haben unsere Hilfe bitter nötig: Immer wieder werden sie voneinander getrennt und müssen von euch wieder vereint werden.

Dabei sind ilo und milo Meister ihres eigenen Unglücks: Auch wenn ihr sie bereits nach wenigen Minuten miteinander vereint habt, ist das Glück nur von kurzer Dauer. Nachdem erst Friede, Freude und Kekse mit Ahornblattgeschmack herrschen, reift in den beiden Freunden die bittere Erkenntnis heran, dass die herannahende Nacht aus ihrer Zweisamkeit wieder Einsamkeit macht. Wenn das kein Grund zum Heulen ist – prompt versinken ilo und milo in einem See aus ihren eigenen Tränen.

Ihr seht: Es gibt viel zu tun in ilomilo. In den 3D-Welten müsst ihr Hindernisse beseitigen oder umgehen, wobei Teamwork eure wichtigste Waffe auf dem Weg zur Wiedervereinigung ist. Per Knopfdruck wechselt ihr zwischen ilo und milo und platziert Blöcke an Stellen, wo sie von beiden Figuren erreichbar sind. Neben normalen Blöcken, die etwa zum Überbrücken von Lücken dienen, warten fliegende Blöcke ebenso auf ihren Einsatz wie Blöcke, die in die Höhe oder nach vorne wachsen.

Ohne räumliche Vorstellungskraft kommt ihr in ilomilo deshalb nicht weit: Während die Rätsel zu Beginn simpel wirken und ihre Lösung auf der Hand liegt, müsst ihr bald im wahrsten Sinne des Wortes um die Ecke denken. An bestimmten Stellen könnt ihr die Ebene wechseln und der Schwierigkeitsgrad steigt steil an. Gelegentlich müsst ihr auch ein gefräßiges Schweinchen namens „der Wanderer“ in die richtigen Bahnen lenken, damit es grüne Äpfel wegmampft, die euren Weg blockieren.

Der einzigartige Grafikstil trägt viel dazu bei, dass ilomilo unser Herz im Sturm erobert hat: Statt steriler Stages mit seelenlosen Spielelementen sieht ilomilo aus, als ob die Grafikdesigner bei Rudi’s Resterampe sämtliche Bestände an Patchword-Decken aufgekauft und mit Schere, Nadel und Faden ihr eigenes Spiel daraus gebastelt haben. Auch die Musik passt perfekt zum Bild, plätschert angenehm im Hintergrund vor sich hin und massiert mit Trommeln und Trompeten eurer Trommelfell.


Mit kleinen Textfetzen haucht ilomilo seiner skurrilen Welt und ihren Bewohnern noch mehr Leben ein: So werdet ihr etwa darüber informiert, dass der Wanderer eine leidenschaftliche Vorliebe für Würfelbohnensalat hat, aber aufgrund seiner kurzen Arme nicht an seine Brieftasche gelangt und sich deshalb keinen Würfelbohnensalat kaufen kann. Obwohl sich diese Texte in den kurzen Ladezeiten zwischen den einzelnen Leveln häufig wiederholen, sind sie ein weiterer Beweis für die Liebe zum Detail, die bei ilomilo aus jeder Ritze quillt.

Was haben „Kommt ein Zyklop zum Augenarzt“ und der Koop-Modus von ilomilo gemeinsam? Richtig, beide sind ein schlechter Witz. Doch davon abgesehen bietet ilomilo keinerlei Kritikpunkte, die das Strahlen aus den Augen vertreiben können. Das Jahr läuft wirklich gut für Xbox Arcade!

Fazit:
ilomilo ist ein Musterbeispiel für Spiele aus der Kategorie „easy to learn, hard to master“: Während im ersten Kapitel die grauen Zellen auf Betriebstemperatur gebracht werden, geraten sie später schnell ins Glühen. Bis ihr alle Rätselnüsse geknackt habt, werdet ihr euch an ihrer harten Schale häufiger die Zähne ausbeißen – daran ändert auch die Zuckerglasur nichts, mit der ilomilo überzogen ist.
Die Entwickler von Southend haben mit ilomilo ein gelungenes Gesamtpaket geschnürt, bei dem die inneren und äußeren Werte stimmen. Jetzt stehen nur noch 800 Microsoft-Punkte zwischen euch und eurer neuen Rätsel-Liebe…
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