Mafia II
12. Juni 2011 Autor: Dennis Schuppler (ds)
2K Games läutet mit dem neusten Mafia-Ableger eine neue Ära von italienischen Spezialitäten und Gentlemännern ein. Wenn man auf diese Sachen steht, dann gibt es gute Neuigkeiten – Sogar das Spiel macht Spaß!
Schießereien in Bars während das Glas zerberstet, seinen Freund das Leben retten oder mit der „Familie“ ins Bordell. Großartige Zeiten waren das…
Natürlich ist das nicht schon das gesamte Spiel, allerdings scheint es so, dass viele Features sich mit anderen nicht vertragen. Und das merkt der Spieler recht schnell.

Mafia II wirft einem in die Rolle von Vito Scaletta. Einem jungen Italiener, der aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrt, um seine Mutter und seine Schwester am Hacken des Kredit-Haies zu sehen…
Wie in jedem Gangster-Film entscheidet sich Vito, aus dem Leben in den Slums zu entkommen und steigt in das organisierte Verbrechen ein.
Man begleitet Vito im Laufe des Spieles dabei wie er Typen verprügelt, Autos klaut und alle erdenklichen Sorten von Anzügen anprobiert.
All das geschieht in Empire Bay, einer New York-artigen Stadt mit vielen Menschen, Polizisten, Autos und sammelbaren Playboy Magazinen! Auf den 1. Blick scheint Empire Bay eine OpenWorld Stadt zu sein – eine voller Nebenmissionen, Geschäften und vielen Geheimnissen. Sie ist es nicht!
Man hat jederzeit nur eine Mission, welche strickt die Story vorantreibt. Alle Symbole auf der Karte (Bekleidungsgeschäfte, Waffengeschäfte, Werkstätten etc.) sind nur optionale Möglichkeiten, die momentane Mission zu vereinfachen. Ihr kratzt immer ab? Zum Anfang der Mission einfach bessere Waffen kaufen. Die Cops jagen euch? Einfach das Nummernschild ändern lassen.
Man könnte Mafia II vorwerfen eine Mogelpackung in Sachen „Open World“ zu sein…
Ihr werdet euch nicht dabei erwischen Fremde Leute zu treffen und einige Side-Missions zu absolvieren.

Empire Bay ist eine Welt, die um die Mission gebaut wurde!
Aber ist das alles etwas Schlechtes? Eigentlich nicht – Nur denkt man bei dem 1.Blick sofort an eine Stundenlange Erkundungs-Tour durch die Stadt (Anm. Das Spiel wurde seit der Ankündigung als Open World Game präsentiert!).
Das Problem, dass durch die einzelne Hauptmission entsteht ist, dass sich der Ort ungewollt leer an – es ist einfach nichts Lebendiges zu finden. Man überquert die Straßen und sieht Autos und Menschen, aber man befindet sich in der Truman-Show. Alles passiert in dem Moment nur wegen dir!
Es gibt schlicht und weg einfach nicht das „wow“, nachdem man bemerkt hat, dass die Stadt ihren ganz eigenen Rhythmus hat und Dinge passieren, für die man gar nicht verantwortlich ist!
Das alles kratzt extrem an der Glaubwürdigkeit von Vito’s Welt.
Ich liebe Gangsterfilme wie Goodfellas, Der Pate oder Public Enemies. Daher ist es ein Genuss Vito und seinen besten Freund Joe dabei zuzusehen, wie sie von Job zu Job, von Party zu Party und von Schießerei zu Schießerei rasen und dabei noch ihre ganz eigenen Probleme bewältigen.
Hinzu kommt, dass Mafia II einige filmischen Tricks verwendet, um den Zwischensequenzen etwas ganz besonderes zu verleihen. Es gibt z.B. Kameraeinstellungen und Szenenwechsel, wie es sie nur in großen Kinoproduktionen zu sehen gibt.
Hierbei ist das Problem, dass die Geschichte das Beste am Spiel ist. Auch das muss nicht unbedingt das schlechteste sein. Die Schießereien, Verfolgungsjagden etc. scheinen allerdings nur als Lückenfüller zu dienen, um irgendwann ein weiteres Stück Story zu bekommen.
In Sachen Gameplay ist Mafia II ein klassischer Third-Person Shooter. Es gibt einen Haufen von Waffen und ein Deckungssystem mit dem man die bösen Jungs umballert, um im Level nach vorne zu gelangen. Eigentlich könnte man ja die Mission auch anders lösen, oder? – Nein, denn schon nach wenigen Sekunden wird man völlig umgeballert. Mafia II verlangt von einem, diesen Spielplan zu 100% zu verfolgen. Das Deckungssystem agiert dabei sehr flüssig und macht Spaß.

Wenn man nicht gerade seine TommyGun benutzt, erledigt man den Job mit seinen Fäusten! Das sind die Abschnitte – und von denen gibt es unzählige im Spiel – in denen Vito seinen Gegner in einem 1-on-1 Straßenkampf K.O. schlagen muss.
Natürlich klingt es cool und macht in den unerwartesten Situationen im Spiel wahnsinnig Spaß, nur sind die Kampfszenen nichts Besonderes. Blocken bis der Gegner die Deckung unten hat und dann mit einem leichten bzw. harten Schlag auf die Birne hauen. Wenn ihr die klobige Animation ein paar Mal wiederholt habt und die schreckliche Kameraführung überlebt habt, dann habt ihr auch schon den Kampf gewonnen.
Mafia II hat außerdem mit dem der Atmosphäre zu kämpfen. So gibt es großartige Momente, wie z.B. als ihr eine Leiche begraben fahrt und eure betrunkenen Freunde auf dem Rücksitz anfangen zu den Songs im Radio zu singen…urplötzlich müsst ihr anhalten, da sich einer übergeben muss.
Andererseits gibt es Stellen, bei denen Vito wie ein Roboter an das Telefon geht und völlig starr an die Wand schaut… Solche Momente könnte man ganz klar vermeiden.
Genauso hätte man die Passagen nach den Missionen vermeiden können…
Beispiel: Man beendet eine Mission am einen Ende der Stadt und muss mit dem Auto die ganze Strecke auf die andere Seite der Stadt fahren, um es in der Garage zu parken. Ihr betretet euer Apartment, geht zum Bett und speichert. Nichts Besonderes passiert in dieser Zeit. Man absolviert lediglich die Aufgabe um die Mission vollständig „zu beenden“.

Die Polizei ist in Mafia II sehr nett. Wenn man sich an die Regeln hält!
Fahrt ihr ein wenig zu schnell oder überseht ihr einmal eine rote Ampel, ist das alles nicht weiter schlimm. Sollte man aber in der Innenstadt rasen, einen großen Unfall bauen oder die Fußgänger sonst irgendwie gefährden, können die Gesetzeshüter auch mal unangenehm werden.
Solltet ihr von den Cops gesucht werden, bleiben euch einige Auswahlmöglichkeiten um sie los zu werden. So könnt ihr das Nummernschild wechseln, eure Kleidung wechseln, die Polizei bestechen oder sie schlicht weg abschütteln. Aber denkt dran – Sie erkennen euch wieder!
Fazit:
Mafia II umfasst eine spannende und packende Gangstergeschichte alá Der Pate etc. – Vom Tellerwäscher zum geschätzten Mitglied der Mafia-Familie.
Der Soundtrack, sowie die Zwischensequenzen geben dem Spiel das gewisse Flair der Amerikanischen 50er Jahr. Hat man ein fable für diese Art von Spiel, dann kann man hier seinen Bedürfnissen freien lauf lassen, solange man sich mit einem durchschnittlichen Third-Person Shooter zufrieden geben kann. Der „Deckung suchen – schießen – Deckung suchen“ Ablauf erfindet zwar nicht das Rad neu, es vermiest einem allerdings auch nicht den Spielspaß.
Mafia II ist ein solides Spiel, dass einem eine nette Spazierfahrt serviert – erwartet nur nicht die passende Welt dazu.

